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14.08.2017

DEPV-Geschäftsführer Martin Bentele: „Ohne Pellets wäre der Holzpreis niedriger!“

Sägerestholz erzielt für Waldbesitzer hohe Erlöse

Beim Thema Holzpellets ist der direkte Bezug zu Holzverkaufserlösen oftmals nicht bekannt. So werden die Holzpresslinge von der Forstbranche – anders als Hackschnitzel und Scheitholz – auch schon mal als Importware bezeichnet. Dabei ist die Verbindung zwischen Pellets und Rundholz offensichtlich, wie Martin Bentele, Geschäftsführer beim Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV) im Interview darlegt.
 
Frage: Herr Bentele, die Pelletproduktion in Deutschland wurde im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich auf über eine Million Tonnen gesteigert. Da muss man doch zufrieden sein als Verbandschef?

Bentele: Nur bedingt! Wenn ich selbst dafür etwas geleistet hätte, könnte ich zufrieden sein. Fürs Wetter bin ich aber nicht zuständig. Daher freue ich mich zwar für die Produzenten und Händler über deren Geschäft. Zufrieden bin ich aber nicht, denn der Zubau an neuen Pelletheizungen geht nur langsam voran. Ob mehr Pellets verbraucht werden, wird vor allem vom Witterungsverlauf beeinflusst!

Frage: Nichtsdestotrotz liegt Deutschland bei der Produktion von Holzpellets europaweit vorne. Das muss doch Gründe haben?

Bentele: Es ist schon richtig, dass wir in Deutschland rund zwei Millionen Tonnen Pellets jährlich produzieren und witterungsabhängig mehr oder weniger verbrauchen. Das ist international gesehen zwar ordentlich, aber wenn wir nach Italien schauen, wird dort – vor allem in Pelletkaminöfen – eine Million Tonnen mehr als bei uns verbraucht. Als Hersteller von Pellets sind wir allerdings weit vorne – was bei den riesigen Mengen an Resthölzern aus dem Einschnitt der Sägewerke aber auch vollkommen logisch ist!

Frage: Von welcher Größenordnung reden wir da?

Bentele: Vom Jahreseinschnitt in den deutschen Sägewerken in Höhe von 35 bis 40 Millionen Kubikmetern fallen immerhin rund 40 Prozent – umgerechnet zwischen sechs und sieben Millionen Tonnen – Sägeresthölzer wie Späne oder Hackschnitzel an, die trocken und sauber und aufgrund dieser Qualität pelletiertauglich sind. Dazu kommt noch das Potenzial an nichtsägefähigem Rundholz, also Hölzer, die von der Dimension oder Qualität her nicht zum Sägen geeignet sind, wie beispielsweise Industriewaldholz. Die müssen zwar aktiv entrindet und zerkleinert werden; aber wir reden hier von mindestens weiteren 15 Millionen Tonnen, die wir für die Herstellung von Pellets nutzen könnten.

Frage: Aber diese Hölzer wollen Sie nicht alleine, sondern auch Papier-, Zellstoff- und Spanplattenindustrie!

Bentele: Es ist doch auch genügend von allem da, und über Knappheit habe ich schon lange niemanden mehr jammern hören. Diejenigen, die vor Jahren mit diesen Argumenten die Holzenergie verteufelt haben, stehen heute „mit abgesägten Hosen“ da und haben der Branche zudem einen Bärendienst erwiesen. Die Diskussionen um Stilllegung und Nationalparke wurden dadurch erst angeheizt!
Ich kann Ihrer Feststellung aber auch sonst nur bedingt zustimmen. Warum? Wir hören zunehmend von der Sägeindustrie, dass die nachrangige stoffliche Verwertung des Restholzes, die oft in der Hand weltweit agierender, internationaler Konzerne liegt, immer stärker zurückgeht. Umweltauflagen sowie Energie- und Rohstoffkosten sind am Standort Deutschland höher als anderswo. Insofern bleibt oft nur noch die Pelletbranche als Abnehmer. Von Sägewerken hören wir immer öfter, dass mangels Abnehmern außerhalb der Pelletproduktion Restholz heute schon bis nach Südeuropa exportiert werden muss. 

Frage: Das müsste Sie doch freuen!

Bentele: Das freut mich überhaupt nicht. Erinnern Sie sich, dass Sägerestholz vor 30 Jahren noch „Abfall“ war, das keinen Erlös erzielte! Auch durch das Produkt Pellets bekam plötzlich das gesamte Holz einen Wert. Das muss auch so bleiben! Darum sollte sich vor allem die Forstwirtschaft über wettbewerbsfähige Branchen freuen, die das Sägerestholz abnehmen. Es ist doch klar, dass Waldbesitzer beim Holzpreis von der Pelletproduktion profitieren. Der Sägewerker bezahlt für die 40 Prozent des Rundholzes, das als Sägerestholz auf den Boden fällt, den gleichen Preis wie für die 60 Prozent, aus dem Schnittholz wird. Ohne Pellets wäre der Holzpreis auf jeden Fall niedriger! Für diesen Sachverhalt bekommen Pellets als Energieträger beim Waldbesitzer leider keine angemessene Wertschätzung.

Frage: Wie könnte die aussehen? Werden Pelletheizungen in Waldbesitzerkreisen heute nicht genutzt?

Bentele: Nicht so sehr, wie es möglich wäre. Wobei es absolut akzeptabel ist, wenn man als Selbsterzeuger auf Scheitholz- oder Hackschnitzelkessel setzt. Wenn Kommunen oder Gewerbe beliefert werden, sollte betriebs- und emissionsbedingt allerdings eine durchgängige Brennstoffqualität Standard sein. Ansonsten bringt man die gesamte Holzenergie in Verruf. Insofern sollten Waldbesitzer im kommunalen Umfeld auch für den Einsatz von Pellets werben! Aber auch für den Eigenbedarf empfiehlt es sich, an die Zukunft zu denken, vor allem unter Komfortaspekten. Kombinierte Scheitholz-Pelletkessel sind heute technisch ausgereift. Der Staat fördert sie mit mindestens 5.500 Euro, und die Axt kann dann auch mal im Schrank bleiben!
 
Deutschland bei der Pelletproduktion international mit an der Spitze

Die aktuelle DEPV-Erhebung weist in Deutschland für das erste Halbjahr 2017 eine Pelletproduktion von rd. 1,1 Mio. Tonnen (t) aus und damit rd. 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der DEPV hat für 2017 eine Jahresproduktion von 2,3 Mio. t prognostiziert, die an rd. 50 Produktionsstandorten erzeugt werden. Dabei besteht die Produktionsgrundlage fast vollständig aus dem beim Nadelholzeinschnitt anfallenden Sägerestholz.
Bayern ist mit rd. 30 Prozent Anteil das Bundesland mit der höchsten Pelletproduktion. Deutschland liegt seit Jahren international bei der Herstellung von Holzpresslingen im Spitzenfeld. Nur in den USA und in Kanada wird mehr produziert. Die deutsche Jahresproduktion von rd. 2 Mio. t wird im Inland in über 400.000 Pelletöfen und Heizungen genutzt – jedoch nicht vollständig, wovon in Deutschland der regelmäßige Außenhandelsüberschuss bei Pellets zeugt. 


> Bildmaterial: Motiv 1 Holznutzung
> Bildmaterial: Motiv 2 Martin Bentele
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