Pelletbranche erhofft Chancen und sieht konkrete Risiken im baden-württembergischen Koalitionsvertrag
29.04.2011
Ein „weg von Öl und Gas“ am Wärmemarkt sucht man vergebens
Die Willensbekundungen zum Ausbau der erneuerbaren Energien sind unübersehbar. Wenn es um Maßnahmen zum Ausbau der Holzenergie geht, bleibt der Koalitionsvertrag der baden-württembergischen Regierungspartner Bündnis 90/Die Grünen und SPD aus Sicht des Deutschen Energieholz- und Pelletverbandes e.V. (DEPV) wenig konkret. Ein „weg von Öl und Gas“ am Wärmemarkt sucht man vergebens. Dagegen sind Maßnahmen, die zu einer Einschränkung des Holzangebots führen können, schon exakt benannt.
Der hohe Stellenwert, den die ökologische Modernisierung der Wirtschaft für die neue grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg hat, ist im Koalitionsvertrag augenscheinlich. Die erneuerbaren Energien werden im Südwesten in den kommenden Jahren mit Sicherheit einen weiteren deutlichen Ausbau erfahren. Allerdings geht es auch hier vor allem um die Elektrizität – und die Erhöhung des Anteils an Windkraft – während das Thema Wärme vorrangig mit Einsparungen und Effizienz abgehandelt wird. Bei der mehrfach genannten Erhöhung des Anteils energetisch sanierter Gebäude ist der Heizungstausch nicht als gesonderte Maßnahme benannt. Es scheint hier eher um Dämmmaßnahmen zu gehen.
Das Ziel, bis 2050 (bezogen auf 1990) die CO2-Emissionen um 90 Prozent zu reduzieren, könnte für die Holzenergie (mit dem höchsten CO2-Reduktionsfaktor aller Wärmequellen) eine gute Voraussetzung bieten. Explizit wird sie mit diesem Vorzug nicht erwähnt. Die Ankündigung eines Klimaschutzgesetzes zur Umsetzung dieses Ziels mit einem dazu gehörigen Konzept (Maßnahmenplan) wird nicht näher beschrieben. Ankündigungen für eigene baden-württembergische Förderprogramme sind nicht zu finden.
Mehrfach erwähnt werden die Bedeutung der Biomasse und ihr geplanter (ökologisch verträglicher) Ausbau. Auch die Mobilisierung von Holzreserven für den energetischen Einsatz wird genannt, jedoch ebenfalls nicht konkretisiert. Das wäre in einem Koalitionsvertrag auch nicht unbedingt zu erwarten. Bei den Gegenmaßnahmen, die zu einer Einschränkung des Holzangebots führen könnten, wird der Vertrag jedoch schon wesentlich exakter. So wird die Errichtung eines Nationalparks angestrebt und eine zehnprozentige Flächenstilllegung für den Staatswald. Bei ihm (rd. 25 Prozent der Landeswaldfläche) handelt es sich um die am effektivsten genutzte Waldbesitzart, wo der Zuwachs bei der Nutzung abgeschöpft wird. Wenn hier Einschränkungen erfolgen, werden diese durch Holzmobilisierungsmaßnahmen (die v.a. im Kleinprivatwald, wo die geringsten Nutzungssätze zu finden sind) kaum auszugleichen sein.
Information: Schätzungsweise ein Drittel der deutschen Pelletproduktion (2010: 1,75 Mio. t) kommen aus Baden-Württemberg, wo bundesweit ein überdurchschnittliches Holzaufkommen und eine hohe Sägewerksdichte zu verzeichnen ist. 20 Prozent der Unternehmen im DEPV (Pelletproduzenten, Pellethandel, Heizungshersteller und Lagertechnik) sind in Baden-Württemberg angesiedelt. Ihr Beitrag zum Verbandsbudget beträgt ca. 25 Prozent.
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