Trendwende am Pelletmarkt - Nachfrage in 2008 auf sehr hohem Niveau
29.10.2008
DEPV: Positive Entwicklung durch Kommunikationsoffensive in dauerhaften Rückenwind umwandeln!
Stuttgart, 29.Oktober 2008 - Nach einem schwachen Vorjahr hat sich 2008 am Pelletmarkt eine Trendwende abgezeichnet. Die Nachfrage ist mittlerweile mit dem Boomjahr 2006 vergleichbar, zog die Vorsitzende des Deutschen Energie-Pellet-Verbandes (DEPV), Beate Schmidt, bei der Pressekonferenz anlässlich der Messeeröffnung Interpellets 2008 eine für die Branche erfreuliche vorläufige Jahresbilanz. Folgende Aussagen wurden von der DEPV-Vorsitzenden getroffen:
Zum Heizungsmarkt: Der Wärmemarkt in Deutschland wird auch als "schlafender Riese" bezeichnet. Obwohl in der Öffentlichkeit kaum bekannt, nimmt er (zusammen mit der Warmwasseraufbereitung) mit über 40 Prozent am Endenergieverbrauch einen größeren Anteil ein als Strom oder Kraftstoff. In den Haushalten beträgt dieser Wert sogar rd. 90 Prozent. Mit rd. sechs Prozent macht die erneuerbare Energie am Wärmemarkt allerdings erst einen kleinen Teil aus. Dies soll sich bis zum Jahr 2020 ändern. Die Bundesregierung hat ihr Ziel auf 14 Prozent festgelegt und Maßnahmen ihrer Klimaschutzpolitik daran ausgerichtet.
Signifikant war im Jahr 2008 der Trend hin zu größeren Heizungsanlagen (> 50 kW). Der Heizungsmarkt in Deutschland bewegt sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts deutlich rückläufig. Einen historischen Tiefstand erreichte diese Dynamik mit 550.000 Anlagen im Jahr 2007. Biomassekessel haben im Vorjahr besonders unter diesem Rückgang gelitten. Wie der DEPV bereits im Frühjahr prognostizierte, hat sich in diesem Jahr eine Trendwende abgezeichnet. Seit Mai erreichen die monatlichen Verkauf-szahlen annähernd die Werte von 2006. Für das Jahr 2008 ist ein Wert von über 20.000 verkauften Pelletfeuerungen (Kessel und Öfen) realistisch. Die regionale Verteilung hat sich in den letzten Jahren nicht geändert. Die Schwerpunkte liegen weiterhin in Bayern (rd. 45 Prozent der Anlagen) und Baden-Württemberg (rd. 20 Prozent).
Signifikant war im Jahr 2008 der Trend hin zu größeren Heizanlagen (Nennwärmeleistung > 50 kW), die vor allem in kommunalen und gewerblichen Projekten eingesetzt werden. Ursache hierfür war vor allem die erheblichen Kosteneinsparung durch den Brennstoffverbrauch und daraus resultierende sehr kurze Amortisierungszeiträume. In den kommenden Jahren soll die positive Entwicklung am Markt für Pelletheizungen weiter ausgebaut werden. Das Verbandsziel ist ein jährliches Wachstum beim Bestand von Pelletheizungen von rd. 30 Prozent. Damit lautet das Ziel für das Jahr 2009 bundesweit 140.000 Anlagen und mittelfristig, für das Jahr 2015 rd. 650.000 Feuerungen. Hierbei wird die Investitionsbereitschaft der Verbraucher ein wesentlicher Faktor sein. Das nachlassende Vertrauen in die fossilen Energien war im Jahr 2008 die wesentliche Triebfeder für die Trendwende. Die aktuelle Finanzkrise mit drohenden negativen Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft der Konsumenten, könnte - bei gleichzeitig sinkendem Ölpreis - auf ein weiteres Wachstum der erneuerbaren Wärme bremsend wirken.
DEPV: mit Gründung Deutsches Pelletinstitut als Kompetenzzentrum für Kommunikation auf dem richtigen Weg Hier muss die Pelletbranche mit Blick auf ihre Zukunftsfähigkeit genauso handeln wie die Politik, deren Klimaschutzziele untrennbar an eine Energiewende am Wärmemarkt geknüpft sind. Kontinuierliche PR- und Marketingmaßnahmen werden dabei Elemente sein, die mit Blick auf den Endverbraucher und sog. Multiplikatoren an Bedeutung gewinnen. Der DEPV sieht sich daher mit der Gründung des Deutschen Pelletinstituts (DEPI) als Kompetenzzentrum auf dem richtigen Weg. Mit einer Kommunikationsoffensive soll die aktuelle positive Entwicklung in dauerhaften Rückenwind für die Branche umgewandelt werden.
Zum Pelletmarkt: Auch bei der Pelletproduktion verlief die Entwicklung im Jahr 2008 sehr dynamisch. Sowohl in Europa, mit einer geschätzten Produktionskapazität von 14 Mio. Tonnen (t) wie auch in Deutschland. Auf Basis der quartalsweisen Erhebung des DEPV bei den Produzenten ist hier mit einer Produktionskapazität von mehr als 2,3 Mio. t zu rechnen. Zur Erinnerung: Gegenüber dem Jahr 2005 (Produktionskapazität 390.000 t) bedeutet dies innerhalb von drei Jahren nahezu eine Versechsfachung der Kapazität. Die reale Produktionsmenge wird sich auf etwa 1,5 Mio. t Pellets belaufen. Der Inlandsverbrauch entwickelt sich dabei nicht mit der gleichen Geschwindigkeit. Mit etwas über 700.000 t wurden bis zur Jahresmitte nur knapp über 50 Prozent der produzierten Presslinge auch in Deutschland verbrannt. Die exportierten Mengen gehen vor allem zur Befeuerung von Kraftwerken nach Belgien und die Niederlande oder zur Versorgung von Pelletöfen nach Italien. Im dritten Quartal hat sich diese Situation zugunsten des heimischen Marktes gewandelt (s. Pressemitteilung "Versorgung gesichert").
Produziert werden Pellets in Deutschland von rd. 60 mittelständischen Unternehmen. Weiterhin werden sie vor allem in Sägewerken aus den Koppelprodukten Sägemehl und Hobelspänen (Schnittholzproduktion) hergestellt. Die ambitionierten Perspektiven der Branche machen es jedoch notwendig, die Rohstoffbasis auszudehnen. Zu Hackschnitzeln verarbeitetes Waldrestholz oder Holz aus Kurzumtriebswäldern, die auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden, sind hierbei Optionen, die von Branchenunternehmen bereits in der Praxis erprobt werden. Für die Erweiterung des Rohstoffes spricht auch die gegenwärtige Krise in der Sägeindustrie, der durch die Immobilienkrise in den USA Absatzmärkte weggebrochen sind. Die in diesem Jahr bereits anstehende Reduzierung der Schnittholzproduktion bedeutet auch eine kleinere Menge an Sägerestholz. Mit Blick auf die aktuelle Produktion ist die Versorgungssicherheit durch diese Entwicklung nicht gefährdet.
Pelletpreise haben auch in diesem Jahr ihre Unabhängigkeit vom Ölpreis bewiesen. Die Preiskurve bei Holzpellets hat auch in diesem Jahr wieder die Unabhängigkeit von den Preisen fossiler Energien verdeutlicht. Die Preise betrugen durchschnittlich 175 Euro/t, was einem Preis von 0,036 Euro/kWh bedeutet. Damit lag man im Frühsommer teilweise 65 Prozent unter dem Ölpreis. Im Oktober stiegen die Pelletpreise auf 200 Euro/t an, was innerhalb der saisonal bedingten Schwankung zwischen Winter- und Sommerpreis liegt. Der Preisvorteil liegt - trotz leicht gesunkenem Ölpreis - damit immer noch bei rd. 50 Prozent. Für den Verbraucher bedeutet dies zunehmend, sich im Frühsommer mit Holzpellets einzudecken, da zu diesem Zeitpunkt der Preis im Saisonverlauf am niedrigsten ist. Die hohe Nachfrage im Juni zeigte, dass Besitzer von Pelletheizungen sich marktgerecht verhalten. Nach Schätzungen des DEPV haben rd. 75 - 80 Prozent der Pelletheizungsbesitzer sich zu diesem Zeitpunkt mit dem Brennstoff eingedeckt und vom günstigen Sommerpreis profitiert.
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