10. Februar 2026
Auf Einladung von Julia Moser, Geschäftsführerin des SHK-Unternehmens Moser GmbH in Backnang (Rems-Murr-Kreis), besuchte Cem Özdemir am 5. Februar in Fellbach den Pharmahersteller Biosyn. Dieser ist Weltmarktführer für Selenpräparate in der Intensivmedizin. Dass ein solches Unternehmen seine Wärmeerzeugung von Gas auf Pellets umstellt, mag auf den ersten Blick erstaunen – kommt rund um Stuttgart aber häufiger vor. Fortschrittliche Heizungsbauunternehmen wie die Firma Moser beraten hier offensiv in Sachen erneuerbarer Wärme. Mehr als 1.300 Pellet- und Holzfeuerungen und über 300 Wärmepumpen hat das Unternehmen bereits installiert. Diese Zahl imponiert nicht nur dem Spitzenkandidaten der Grünen bei der anstehenden Landtagswahl Özdemir. Auch der Vorsitzende beim Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) Helmut Schellinger adelt die Moser GmbH für ihr Engagement als einen „Leuchtturm der Energiewende“.
Die Energiewende am Wärmemarkt, die bundesweit durch den Begriff „Heizungsgesetz“ etwas in Verruf geraten ist, wird in Baden-Württemberg meist anders beurteilt. Grund ist das Erneuerbare-Wärmegesetz (EWG), das die damalige CDU-Regierung 2008 beschlossen hat. Es schreibt beim Heizungstausch einen Anteil von 15 Prozent an Erneuerbaren Energieträgern bei der Wärmeerzeugung vor. Franz Untersteller, von 2011 bis 2021 Umweltminister in Baden-Württemberg, hat das Gesetz novelliert und weiß um die Aufregung bei solchen Vorschriften. „Wichtig ist, dass man den Verbrauchern ein breites Spektrum an Erfüllungsoptionen offenlässt und darüber hinaus angemessene finanzielle Anreize setzt.“
Das kann auch Özdemir „unterschreiben“. Als Landwirtschaftsminister in Berlin habe er zwar nicht direkt mit dem Energiemarkt zu tun gehabt, war aber in der Bundesregierung zumindest thematisch für Holz zuständig. „Wir stehen zum heimischen Rohstoff und seiner vollständigen stofflichen und energetischen Verwendung“, betont er.
Die baden-württembergische Landtagswahl steht Anfang März an und die Parteien kämpfen um die letzten Prozente. Cem Özdemir, der für Bündnis 90/Die Grünen der erste türkischstämmige Ministerpräsident in Deutschland werden möchte, kommt vor Ort mit potenziellen Wählern und Unternehmen ins Gespräch.
Im Heizungskeller erläutert Julia Moser, dass die 100 kW leistende Pelletheizung im April 2025 installiert wurde. Die Kosten betrugen 226.000 Euro, wovon rd. ein Viertel durch Fördermittel kompensiert wurde. Der Jahresverbrauch der Anlage beträgt 32 Tonnen Pellets, die von einem im Außenbereich installierten Lager der Heizung zugeführt werden. Neben den Klimavorteilen und dem aktuellen Brennstoffkostenvorteil zeigen Berechnungen, dass die Pelletheizung vor allem mittelfristig eine lohnende Investition gegenüber fossilen Heizungen darstellt.
DEPV-Vorsitzender Helmut Schellinger weiß, dass der Schwabe eine solche Rechnung hervor-ragend fände. Und er freut sich, dass im Südwesten auch die Grünen noch „etwas anders ticken“ als auf Bundesebene. Das ist keine haltlose Behauptung, ist doch bekannt, dass Franz Untersteller und Cem Özdemir – in seiner ehemaligen Berliner Wohnung – ihre Wärme mit Holzpresslingen erzeugen. Özdemir war im Jahr 2016 sogar Testimonial für das Deutsche Pelletinstitut. Und auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann geht dem nahenden Ruhestand locker entgegen – wird sein privates Zuhause doch seit geraumer Zeit auch mit Pellets beheizt.
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